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Hitzeschäden in Sachsen-Anhalt

Die hohen Temperaturen Ende Juni 2026 haben auch auf Sachsen-Anhalts Straßen ihre Spuren hinterlassen. Aufgeworfene Betonplatten, "schwitzender Asphalt" oder Blasenbildung im Straßenbelag waren sichtbare Folgen der tagelangen Hitze. Die Schäden an Landes- und Bundesstraßen in Sachsen-Anhalt hielten sich dennoch in Grenzen. Ein Überblick zu Ursachen und Präventionsmaßnahmen. 

Rufbereitschaft, Kontrolle und Vorbeugung

"Dass es nicht zu größeren Beeinträchtigungen kam, ist keinem Zufall zu verdanken", sagte Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Dr. Lydia Hüskens. "Am Hitzewochenende befanden sich alle Straßenmeistereien der Landesstraßenbaubehörde in Rufbereitschaft. Viele Kolleginnen und Kollegen waren zudem im aktiven Kontrolleinsatz, um Schäden frühzeitig zu erkennen und zu beheben, bevor aus kleinen Mängeln größere Gefahrenstellen werden. Dafür gebührt den Straßenmeistereien im ganzen Land ausdrücklicher Dank. Ihr umsichtiges und schnelles Handeln hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen gewährleistet war."

Es sei nun wichtig, die Infrastruktur im Land an die extremen Wetterbedingungen anzupassen. "Die vorsorgende Erhaltung unserer Straßeninfrastruktur ist kein Selbstläufer, sondern braucht verlässliche finanzielle Mittel. Hier ist vor allem der Bund in der Verantwortung. die notwendigen Ressourcen für Prävention, Instandsetzung und die stetige Modernisierung der Bundesstraßen bereitzustellen. Das Land wird seiner Verantwortung für die Landesstraßen gerecht.“

Ursachen

Hohe Temperaturen können Straßenbeläge auf unterschiedliche Weise schädigen. Welche Schäden auftreten, hängt vor allem vom verwendeten Baustoff und dessen Reaktion auf Wärme ab. Während Asphalt bei Hitze weicher wird und sich verformt, entstehen bei Beton vor allem Schäden durch die Ausdehnung der Fahrbahnplatten.

Asphaltfahrbahnen:

Asphalt besteht aus Gesteinskörnungen und Bitumen. Bei anhaltender Hitze verliert das Bitumen an Festigkeit, der Belag wird weich und kann sich unter Verkehrslast – besonders durch Lkw – dauerhaft verformen. Typische Folgen sind Spurrinnen und Verdrückungen. Ist der Hohlraumgehalt zu gering, wird das Bitumen an die Oberfläche gedrückt („schwitzender“ Asphalt). Blasen entstehen meist, wenn eingeschlossene Feuchtigkeit bei Hitze verdampft und den Belag anhebt. Diese Bereiche können aufreißen und so weitere Schäden verursachen.

Betonfahrbahnen:

Auch Beton dehnt sich bei Hitze aus. Fugen sollen diese Bewegungen ausgleichen, doch bei extremer Hitze reicht der Bewegungsspielraum manchmal nicht aus. Treffen Platten aufeinander, kann es zu plötzlichen Aufbrüchen („Blow-ups“) kommen, bei denen sich einzelne Platten anheben. Besonders gefährdet sind Fahrbahnen, die bereits durch eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR) vorgeschädigt sind.

Hinweis: Betonfahrbahnen werden vor allem auf Autobahnen eingesetzt, während auf Bundes- und Landesstraßen meist Asphalt verwendet wird.

Vorbeugung und Maßnahmen

Blasen im Asphalt lassen sich nur verhindern, wenn kein Wasser eindringt – was in der Praxis kaum möglich ist. Gegen Bitumen auf der Oberfläche hilft das frühzeitige Einwalzen von feinem Splitt, um die Griffigkeit wiederherzustellen. Bei Betonfahrbahnen sind eine fachgerechte Fugenausbildung und regelmäßige Wartung entscheidend, um Aufbrüche zu vermeiden.

Hitzebedingte Fahrbahnschäden können nicht vollständig verhindert, aber durch geeignete Planung, Bauweise und Erhaltungsmaßnahmen deutlich reduziert werden. Bei Asphalt sind temperaturbeständige Mischungen, passende Bitumensorten, ausreichender Hohlraumgehalt und sorgfältige Verdichtung wichtig, um Verformungen und Feuchtigkeitsansammlungen zu vermeiden. Regelmäßige Kontrollen und schnelle Reparaturen verhindern, dass Wasser eindringt und Schäden wie Blasen oder Frostschäden entstehen.

Bei extremer Hitze sind zusätzliche Maßnahmen wie verstärkte Kontrollen, schnelle Schadensbeseitigung und gegebenenfalls Tempolimits oder Einschränkungen für den Schwerverkehr nötig, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Unterschiede der Straßenbauweise zu wärmeren Ländern

In dauerhaft warmen Regionen treten Hitzeschäden an Straßen seltener auf, weil dort Baustoffe und Bauweisen gezielt an die klimatischen Bedingungen angepasst werden. Asphaltfahrbahnen werden mit härteren, hitzebeständigen Bitumensorten gebaut, die auch bei hohen Temperaturen formstabil bleiben. In Deutschland hingegen werden elastischere Bitumen verwendet, um auch Frost und häufige Temperaturwechsel zu überstehen – diese werden bei Hitze jedoch schneller weich.

Mitteleuropäische Straßen sind im Allgemeinen stärkeren Temperaturschwankungen und häufigerem Wechsel zwischen Hitze und Frost ausgesetzt, was die Fahrbahnkonstruktion zusätzlich beansprucht und schneller altern lässt. Feuchtigkeit und Frost führen in Deutschland zu weiteren Vorschädigungen, die sich im Sommer verstärken können – ein Problem, das in trockenen, heißen Regionen kaum auftritt.

Auch bei Betonfahrbahnen ist die Anpassung entscheidend: In heißen Ländern werden Fugen von Anfang an für größere Ausdehnungen ausgelegt, während ältere deutsche Fahrbahnen oft nicht auf die heute höheren Temperaturen vorbereitet sind. Entscheidend für die Widerstandsfähigkeit ist also nicht die absolute Temperatur, sondern ob die Straßenkonstruktion an das jeweilige Klima angepasst ist.